Akustik in Schulen

Die Problematik von Lärm in Schulen, vor allem in den einzelnen Klassenzimmern, wird von der Allgemeinheit gerne unter den Teppich geschoben. Oft heißt es dann, dass die Pädagogen und Lehrkräfte schlicht und ergreifend nicht dazu in der Lage seien in ihren Klassen für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Doch dies ist in den meisten Fällen eine unzureichende Erklärung. Die Lehrkräfte selbst lassen dieses Thema noch zu selten aufkommen, aus der Angst heraus, dass ihnen persönliches Versagen oder gar pädagogische Schwäche vorgeworfen wird. Allerdings ist es wichtig, dass dieses Problem fachgerecht dargestellt wird und weitestgehend Aufklärung erfährt.

Lärm in der Schule kann zum Lern- und Gesundheitsproblem werden. Da das Lernen vom Informationsaustausch abhängt und in der meisten Zeit kommuniziert wird, verbringen Schüler einen großen Teil ihrer Schulzeit mit dem Zuhören. Somit ist die Grundbedingung für ihren Lernerfolg die Konzentration, die durch entsprechende Raumakustik gewährleistet wird, damit eine entspannte Atmosphäre herrschen kann. Ist die Akustik eines Raumes nicht optimal eingestellt, kann es oft dazu führen, dass Aussagen des Lehrers im Geräuschteppich verklingen oder komplett untergehen. Vor allem in den hinteren Reihen des Klassenzimmers sind jene schließlich selten zu vernehmen, was dazu führt, dass die betroffenen Schüler sich abkapseln und nicht mehr aktiv am Unterricht teilnehmen können. Dies hat wiederum die Folge, dass jene Schüler ihre eigenen Konversationen abhalten, wodurch der Lärmpegel im Ganzen betrachtet kontinuierlich ansteigt. Vor allem bei offenen Unterrichtsformen, wie beispielsweise Gruppenarbeiten, müssen die einzelnen Gruppen sich durch ihre Lautstärke gegenseitig übertreffen, sodass letztendlich ein gewaltiger Stör-Lärm entsteht. Nun ist auch die Konzentration der letzten Schüler dahin, wodurch eine fehlende Akustik die Qualität und Wirksamkeit des Unterrichts auf das Minimum reduziert.

Grundsätzlich betrifft eine schlechte Sprachverständlichkeit Kinder und Jugendliche stärker als Erwachsene, da sie über weniger Sprachliches Vorwissen verfügen und ein kleineres Vokabular inne haben. Doch dieses ist bei geringer Sprachverständlichkeit besonders wichtig, da man dadurch teilverstandenes in Gedanken ergänzen und somit auch verstehen könnte. Des Weiteren sind Schüler schneller im Unterricht erschöpft, wenn sie andauernd bestrebt sind alles verstehen zu können, was dazu führt, dass die Schüler nicht den kompletten Schultag konzentriert mitarbeiten können. Gerade bei einem Blick auf die Länge eines Schultages ist dies von Bedeutung, da die meisten Schulen mittlerweile von 8-16 Uhr Unterricht abhalten. Ebenso gilt es zu vermerken, dass die Anzahl der Schüler, welche an einem Aufmerksamkeitsdefizit leiden oder deren Muttersprache nicht deutsch ist, stark steigt. Umso wichtiger ist es auch ihnen ein konzentriertes Lernverhalten zu gewährleisten.

Doch natürlich sind nicht ausschließlich die Schüler von einem hohen Lärmpegel betroffen, auch den Lehrkräften wird dadurch die Arbeit weitestgehend erschwert. Die Lehrer, denen wir die Zukunft unserer Kinder in die Hand legen, benötigen ebenfalls die erforderliche Akustik im Schulraum, sodass sie selbst fokussierter arbeiten, um den vorgesehenen Lehrplan ausreichend behandeln zu können.
Was ist also nötig, um die Lärmbelastung zu verringern?

Eine Akustisch-ergonomische Klassenraumgestaltung muss vorhanden sein, um das Wohlbefinden der Lehrer und Schüler zu steigern, damit alle beteiligten von einer erheblichen Verbesserung des Klassenklimas und des Lernerfolgs der Schüler profitieren können.

Autorin:
Sigrid Löwenberg, Dipl.-Ing.
Staatlich anerkannte Sachverständige für Schall- und Wärmeschutz, IK Bau NRW
Fachplanerin für Energieeffizienz, Öko-Zentrum NRW
Energieberaterin für Baudenkmale und erhaltenswerte Bausubstanz, WTA Darmstadt
KFW Energieexperte

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