Akustik in Kindergärten

Kindergarten

Lachen, spielen, toben gehört zu fröhlichen Kindern. Ein jeder kennt es, in Kindergärten herrschen oftmals gewaltige Geräuschkulissen. Die meisten würden es als gewöhnlich darstellen, doch wieso ist das so?

Natürlich, Kinder reproduzieren gerade in ihrer frühen Entwicklungsperiode vermehrt lautstark Töne – Sei es Lachen, Schreien oder sonstige Notationen ihrer derzeitigen Gefühlslage. Jedoch ist es weder machbar, noch angebracht, zu versuchen, die Kinder in diesem frühen Stadium ihres Lebens dazu zu bewegen, sich in gemäßigter Lautstärke zu unterhalten oder miteinander zu spielen. Die Kinder müssen weiterhin dazu in der Lage sein fokussiert und vor allem konzentriert zu lernen und sich mit anderen Kindern auszutauschen.
Es soll also sicher gestellt werden, dass sich auch größere Gruppen von Kindern in einem Raum aufhalten, und zwar ohne, dass sie sich gegenseitig passiv ablenken, stören, oder sich sogar durch einen stark erhöhten Lärmpegel langfristig schädigen.
Die Mitarbeiter in Kindergärten, dem ebenfalls ausgesetzt, suchen ständig verzweifelt nach Möglichkeiten, den Geräuschpegel gering zu halten, ohne die Kinder in ihrer Entwicklung einzuengen.

Doch wie lässt sich diese Problematik vorbeugen?

Wenn die Lärmursache schon nicht vermindert werden kann und soll, bedarf es einer Optimierung an anderer Stelle – die bauliche Gebäudeausstattung. Vorgabe zur Einhaltung von Schall- und Akustikmaßnahmen werden in den DIN Normen 4109 „Schallschutz im Hochbau“, DIN EN 12354 „Schallabsorption in Räumen“ und DIN 18041 „Hörsamkeit in Räumen“ bereitgestellt.
Bei einem Neubau wird dies in der Planungsphase betrachtet, doch auch in bestehenden Gebäuden sind viele Maßnahmen kostengünstig und praktikabel möglich, die Akustik zu optimieren und einen potentiell aufkommenden Lärmpegel abzumildern. Schon kleine Eingriffe in die Anatomie des Bauwerks können die Atmosphäre vehement verbessern.

Baurechtliche Anforderung an die trennenden Bauteile und Außenbauteile in Schulen und Kindertagesstätten stellt die DIN 4109. Dieser Nachweis wird in der Regel von der Bauaufsichtsbehörde gefordert und liegt daher meistens vor.
Anforderungen an die Raumakustik werden vom Planer bzw. Bauherrn gestellt, wenn die Problematik bekannt ist oder schmerzlich gelebt wird.
Gemäß den Berechnungsmodellen nach DIN EN 12354 werden die absorbierenden Bauteile, Einrichtungsgegenstände und Personen mit unterschiedlichen Verhaltensmustern, abgebildet. Aus der ermittelten Absorptionsfläche und die dazugehörigen Absorptionsgraden kann die Nachhallzeit bestimmt werden. Zur Einschätzung der Ergebnisse werden in DIN 18041für verschiedene Nutzungsarten des Raumes „Sollwerte“ der Nachhallzeiten vorgegeben.

Durch gezielte Veränderungen der Flächen wird nun ermittelt, wie ein durchschnittlicher Wert zur Verbesserung der Raumakustik erreicht werden kann, ohne eine Überdämmung zu verursachen, die die Sprachverständlichkeit im Raum verschlechtert.

Maßnahmen sind auch im Bestand im Rahmen einer Raumsanierung möglich:

  • Anbringen einer Akustikdecke, ganzflächig oder teilflächig
  • Anbringen von akustisch wirksamen Wandelementen, ganzflächig oder teilflächig
  • Anbringen von Deckensegeln
  • Anbringen von Vorhängen
  • Optimierung der Einrichtungsgegenstände
  • Verbesserung der Bodenbelagsqualität

Eine schlechte, für Mitarbeiter und Kinder gesundheitsbeeinträchtigende Raumakustik muss nicht sein. Eine fachspezifische Planung der individuellen Möglichkeiten und Kommunikation mit den ausführenden Firmen kann zumindest die Welt im Kindergarten deutlich verbessern.

Autorin:
Sigrid Löwenberg, Dipl.-Ing.
Staatlich anerkannte Sachverständige für Schall- und Wärmeschutz, IK Bau NRW
Fachplanerin für Energieeffizienz, Öko-Zentrum NRW
Energieberaterin für Baudenkmale und erhaltenswerte Bausubstanz, WTA Darmstadt
KFW Energieexperte

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